18. August 2007

Warum Social-Media-Gaming Unsinn ist

Viele Blogger haben sich schon mit der Idee des Social-Media-Gaming auseinandergesetzt. Vielleicht liegt es ja auch in der Natur des Menschen, bestehende Systeme ausnutzen zu wollen, um sich Vorteile zu verschaffen. Das scheint mir beim »Abgreifen von Traffic von Social-Media-Plattformen« nicht anders zu sein, als zum Beispiel beim ALG II, oder dem »kleinen Versicherungsbetrug zwischendurch«

Wenn man sich jetzt aber mal näher ansieht, was die »Falschspieler« erreichen wollen und was sie tatsächlich erreichen (können), stellt man schnell fest, dass zwischen Theorie und Praxis ein himmelweiter Unterschied vorhanden ist.

Ich will Besuchermassen!

Nehmen wir zunächst mal den offensichtlichsten Beweggrund, aus dem man versuchen könnte, ins Social-Media-Gaming einzusteigen: neue Besucher fürs eigene Blog.
Ein eigener Artikel auf der Startseite einer Social-News-Community kann massig Traffic bringen. Zumindest, wenn man einen englischsprachigen Artikel auf die Startseite von digg.com bringt. Im Normalfall bringt das den eigenen Server zum qualmen und man hat mehr Besucher, als man haben wollte1.

In Deutschland ist das noch ein wenig anders. Hier hält sich der Besucheransturm in Grenzen. Bei YiGG kann man noch mit den meisten Besuchern rechnen - und das sind je nach Artikel so um die 300 - 500 am Startseitentag. Zu WebNews fehlen mir da die Daten. Ich habe halt einfach zu wenig Boulevard-Themen im Sortiment, als dass ich da auf die Startseite kommen könnte2

Wir sehen also, Besuchermassen sind in Deutschland wahrlich nicht zu erwarten. Also macht auch eine kurzfristige Taktik keinen Sinn. Außerdem gilt es zu bedenken, was mit den Besuchern passiert, wenn sie erstmal da sind.

Ich will neue Stammleser!

Nehmen wir einmal an, wir hätten es geschafft, uns auf die Startseite von YiGG vorzumogeln und die Besucher strömen. Was passiert denn dann?
Nehmen wir an, der Artikel hatte es nötig, auf die Startseite gemogelt zu werden. Dann wird sich das spätestens jetzt bemerkbar machen. Der Besucher ist enttäuscht, weil er nicht versteht, warum so ein lumpiger Artikel auf der Startseite gelandet ist. Das hat dann weitreichende Konsequenzen. Zum Einen speichert der Besucher die Enttäuschung als schlechte Erfahrung ab und verknüpft das geistig mit dem Blog3. Zum Anderen ärgert sich der Besucher über YiGG, weil so ein Mist auf der Startseite landet.
Erlebt der Besucher soetwas öfter, wird er auf verschiedene Arten handeln. Die erste Handlung wird es sein, den Falschspieler auf die eigene Blacklist zu setzen. Und da ist der Besucher nicht allein. Das tun dann auch andere. Und ehe der Falschspieler sich versieht, ist er auf die globale Blacklist gerutscht und der Account ist für seine Zwecke praktisch wertlos.

Ist der Account also erstmal wertlos geworden, bleibt dem Falschspieler nichts anderes übrig, als sich einen neuen Account zuzulegen - so leicht gibt man ja nicht auf. Allerdings fallen den Administratoren und Moderatoren solche Dinge natürlich auf. Und wie bändigt man solche renitenten Genossen? Richtig. Man sperrt das entsprechende Blog komplett. Damit hätte sich dann das Thema »Social-Media-Gaming« erledigt. Jedenfalls für diese eine Community4.

Ich will aber auf die Startseite!

Was ist also die richtige Vorgehensweise, um durch Social Medias seinem eigenen Blog etwas Auftrieb zu verleihen? Eigentlich ist das gar nicht so schwer.

  1. Suche Dir die zu Dir und Deinem Blog passende Community aus.
    Das bedeutet eigentlich nichts anderes, als dass die verschiedenen Communities verschiedene Themenschwerpunkte haben und Deine Chance auf eine Startseitenplatzierung steigen, wenn Du für die Community interessante Themen lieferst. Eine Übersicht über die aktuell vielversprechendsten Social-News-Communities liefere ich in einem separaten Artikel nach - das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.
  2. Beteilige Dich aktiv, bringe Dich ein.
    User, die sich an Diskussionen beteiligen und aktiv zu neuen Inhalten beitragen, sind grundsätzlich gerne gesehen. Kennt die Community dich als aktiven und freundlichen Mitstreiter, werden auch Deine Nachrichten mehr Beachtung finden5
  3. Achte auf die Qualität Deiner eigenen Beiträge.
    Es klingt banal, aber trotzdem ist es wichtig. Achte verstärkt drauf, deine Beiträge ordentlich zu formatieren und achtet auf die Rechtschreibung6.
  4. Optimiere die Texte Deiner eingestellten Beiträge.
    Beim Einstellen von Nachrichten achte darauf, dass die Titel aussagekräftig sind7 und verfasse den beschreibenden Text möglichst als Zusammenfassung des Artikels8 und versuche deutlich zu machen, worum es im Artikel geht. Nur so kann man entscheiden, ob man den Artikel sehen will, oder nicht. Selbiges gilt übrigens für das Tagging einer Story.
  5. Stelle nicht jeden deiner Beiträge ein.
    Auch wenn man ein Plugin zum automatischen Einstellen von Artikeln benutzt, muss man nicht jeden Artikel auch der Community aufs Brot schmieren. Für den ganzen Kleinkram gibt’s Twitter und Konsorten. In den meisten Fällen ist es für die Community vollkommen unerheblich, ob Du heute verschiedenfarbige Socken trägst, oder ob Du heute in der U-Bahn Musik gehört hast9.
  6. Stelle News ein - keine Startseiten
    In letzter Zeit kann man verstärkt beobachten, dass einige Zeitgenossen die Startseiten Ihrer Blogs als Newsbeitrag einstellen. Das ist vollkommen wertlos für die Community, oder sehe ich das falsch? Also: seinlassen.
  7. Halte Dich an die Regeln der Community
    Obey the rules and nobody gets hurt.

Wenn man sich an die oben aufgeführten Vorschläge hält, werden die Chancen, langfristig die Besucherzahlen des eigenen Blogs (und vor allem die Zahl der Stammleser) zu erhöhen, deutlich wachsen. Ist ja auch logisch, oder? Qualität macht sich bezahlt - und wenn man die Besucher nicht nervt, dann kommen sie auch wieder.

Ein weiterer schöner Nebeneffekt ist, dass man, durch die aktive Teilnahme am Communitygeschehen, die Community für Andere attraktiver macht und sich selbst so potentielle neue Besucher erschließt. Da wäscht eine Hand die Andere.

Ich will doch nur Backlinks!

Der nächste, offensichtliche Grund, Beiträge bei Social-News-Communities einzustellen sind natürlich die Backlinks, die man kassieren kann. Die direkten Besucher sind in diesem Fall praktisch nur schmückendes Beiwerk.
Mal ganz im Ernst. Das Zuspammen der Artikel-Warteschlangen ist eine Unart und ist wirklich nur dazu geeignet, die Moderatoren der Communities zu beschäftigen. Die Aussicht auf Erfolg ist extrem gering und man wird schneller gekickt, als man Backlink buchstabieren kann.
Meine Empfehlung lautet daher also: Wenn Eure Nachricht keinen Newscharakter hat, spart Euch das Einstellen und sucht Euch Alternativen. Social Bookmarking Services zum Beispiel. Da kann man auch Nicht-News-Seiten abladen10.

Und die Moral von der Geschicht…

… Social-Media-Gaming lohnt sich nicht.
Tatsächlich schiesst man sich in den meisten Fällen mit diesen linken Touren selbst ins Knie. Der Nutzen ist - falls überhaupt vorhanden - nur sehr kurzfristig zu geniessen und der Ruf, den man sich damit einhandelt ist sicherlich nicht förderlich für die Entwicklung des eigenen Blogs. Also lieber ehrlich und fair spielen und damit in langfristiges Wachstum investieren. Schwer ist das nicht und es macht sogar Spaß.



  1. Und die meisten Besucher sehen den Artikel nicht, weil im Rechenzentrum die Sprinkleranlage angesprungen ist []
  2. Der Trend geht aber zu sehr geringen Besucherzahlen. Nehmen wir mal diesen Beitrag. Der kam auf die YiGG-Startseite und brachte da knapp 300 uniques - bei WebNews gab’s nur eine einzige Stimme und die kam von mir. []
  3. Und das ist dann der Zeitpunkt, zu dem man sich wünschen sollte, man hätte das Standardtheme verwendet, weil das dann nicht zwangsläufig mit dem eigenen Blog verknüpft wird… []
  4. Natürlich kann man das durchziehen, bis man alle Communities durch hat - der Nutzen dürfte allerdings gegen NULL tendieren… []
  5. Mal ganz davon abgesehen wird auch Dein Spaßfaktor steigen und Du wirst interessante neue Themen für Dein Blog entdecken. Es ist also ein geben und nehmen. []
  6. Das ist mir persönlich ein großes Anliegen. []
  7. Oder zumindest spannend. []
  8. Natürlich sollst Du nicht direkt alles verraten, sonst geht dem potentiellen Leser der Spaß am Lesen des gesamten Artikels verloren. []
  9. Zumindest wenn das die Kernaussagen Deines Postings sind… []
  10. Spammer sind aber auch da nicht gerne gesehen - das sollte klar sein. []

4 Kommentare

1. Rick schrieb am 18. August 2007 um 17:48

Lieber z-blogger,
Du gestattest dass ich aus der Fachsprache ausschere und in meinen Worten kommentiere:
a) wie (fast) immer ein sehr guter Artikel. Auch wenn ich in einem Nachbarblock herausfinden musste was nun Social Media Gaming ist und warum das so heisst *zwinker*.
Als Laie verstehe ich den Artikel so dass Du versuchst Menschen die sich weigern erwachsen zu werden beibringen willst wie man sich als anständiger Erwachsener benimmt.
Viel Glück!
b) zur hübsch derselben Zeit wie Dein Artikel geschrieben wurde erschien anderswo auch ein anderer der so irgendwie dazupasst. Der von Kollegin Daniela nämlich. Daniela hat keine Ahnung von SEO, keinen blassen Schimmer von Social Media Dings, ihr Blog ist noch schmuckloser als U9TA, keine Werbung, kein P*rnozeuchs, kein Bezug zu reissenden Schlagzeilen, dafür hat sie nach 40 Tagen kumuliert 10.000 Besucher. Es wäre ein günstiger Zeitpunkt hier mal kurz innezuhalten und nachzudenken…
Schöner Gruß, Rick

2. z-blogger schrieb am 18. August 2007 um 19:15

Lieber Rick,
zunächst vielen Dank für deinen wie immer sehr guten Kommentar.

ad a) Du hast mich erwischt und ich werde nachbessern.
Als Laie hast Du den Beitrag völlig richtig verstanden und ich gestehe: ich kann es mir einfach nicht vollständig abgewöhnen, an das Gute im Menschen zu glauben, obwohl ich einsehe, dass ich an dieser Stelle einen schweren Fehler begehe.

ad b) Zunächst mal Glückwunsch an Daniela. Nachdem ich ja nun weiß, wie fleissig Daniela zum Beispiel bei U9TA kommentiert, überrascht mich das Ergebnis nicht wirklich (auch wenn ich gern wüsste, wie die Besucher gezählt wurden) - denn die Teilnahme an den Diskussionen zu Beiträgen anderer Blogger trägt maßgeblich zur Entwicklung des eigenen Blogs bei.

So. Und jetzt halte ich inne - oder schreibe den nächsten Artikel fertig ;-)

Servus,
der z-blogger

3. Rick schrieb am 18. August 2007 um 19:51

Lieber z-blogger,
scheint ein sehr lauer Samstag wieder mal zu sein, ich hätte Deinem Artikel eigentlich längst eine hochpunktige yigg-Fp gegönnt, er hätte sie verdient. Kommt ja vielleicht noch.

Bei Daniela zählt stats4free, und natürlich mag es sein dass man einen unbedeutenden %Satz x abziehen muss den andere nicht zählen. Nichtsdestotrotz in unprofessioneller Ergänzung Deines 7 Punkte Programms: man kann sich von ihr vermutlich 2 Scheiben abschneiden.
Die 2te: Behandle Deine Mitmenschen so wie Du auch Freunde im realen Leben behandeln würdest. Und wichtiger (und hier fallen mir mindestens 3 Personen mit einem i(c)k im Nachnamen ein bei denen bei allem Qualitätsdrang auch noch Luft nach oben ist): schreib das was die Leser lesen möchten (und nicht mit Gewalt was man selbst als Botschaft anbringen will) und wo jeder was dazusagen kann ohne dass die Diskussion niveaulos in Smileyorgien versumpft. Und was die icks betrifft: etwas weniger Diva kann durchaus nie schaden… ;)
Schönen Abend aus Unterneuntupfing
Rick

4. Welche Social-News-Community für welches Thema? schrieb am 20. August 2007 um 09:14

[…] hatte ja im Beitrag »Warum Social-Media-Gaming Unsinn ist« angeführt, man solle sich die zu sich selbst und zum eigenen Blog passende […]