10. August 2007

Der Content vs. Die Form

Mir fällt in letzter Zeit häufig mal wieder auf, dass es diverse Blogs gibt, die hervorragende Inhalte in - sagen wir - herausfordernder Verpackung präsentieren. Stellenweise geht das so weit, dass das Lesen nahezu unmöglich wird, was bei der hohen inhaltlichen Qualität umso trauriger ist.

Beispiel?

Unterneuntupfing Aktuell ScreenshotIch möchte das Ganze mal an einem Beispiel verdeutlichen. Einer meiner aktuell liebsten Blogs ist Unterneuntupfing Aktuell, kurz U9TA. Gleichzeitig ist U9TA zu lesen eine der größten Herausforderungen, der man sich überhaupt stellen kann. Und damit meine ich jetzt nicht, dass man ein ziemlich dickes Fell braucht, um sich von der überaus bissigen und teilweise haarsträubenden Satire, die U9TA im Sortiment hat, für den Rest des Tages außer Gefecht setzen zu lassen1 - nein, die größere Herausforderung bietet meiner Meinung nach die äußere Form des Blogs.


Unterneuntupfing Aktuell drängt sich für diese Betrachtung also förmlich auf: die Inhalte sind hervorragend, die Präsentation ist ein Schlag ins Gesicht des Lesers und bei U9TA ist man grundsätzlich hart im Nehmen. Ich muss mir also keine Sorgen machen, dass mir da jemand die Kritik übel nähme2.

Endlich zur Sache!

Wie sicher unschwer zu erkennen, habe ich mal einen Screenshot von U9TA angefertigt3, anhand dessen der geneigte Leser sich einen schnellen Überblick über die Situation auf U9TA verschaffen kann, ohne z-blogger verlassen zu müssen4. Wenn Ihr Euch jetzt also kurz den Screenshot anschauen wollt, dann können wir direkt loslegen. Und immer dran denken: nur anschauen - nicht lesen. Das kommt später.

Mach endlich! Du kommst nicht zum Punkt!

Zurück? Gut. Dann fangen wir am besten oben an. Mit dem Kopf des Blogs. Mit dem ist so ziemlich alles okay, nur die Untertitel könnten für meinen Geschmack ein wenig mehr Kontrast vertragen.
Die linke Sidebar könnte etwas größere Zeilenabstände vertragen und die Hintergründe der einzelnen Block-Titel könnten etwas mehr Kontrast zum Seitenhintergrund gebrauchen. Bei einem dunkleren Farbton hätte das Auge durchaus eine etwas bessere Orientierung, was man ja am Support-Block auch sehr deutlich erkennen kann.


Machen wir weiter mit dem mittleren Teil, der Heimat der unglaublichen Artikel. Hier schwankt die Qualität der optischen Präsentation sehr. Ein Beispiel der Kategorie »schon besser« finden wir im aktuell frischesten Beitrag. Hier gibt es nämlich Zwischenüberschriften, an denen man sich ganz ordentlich orientieren kann. Das macht die Aufnahme der geistigen Nahrung deutlich leichter5. Leider ist das bisher noch nicht bei allen Artikeln der Fall und so muss man häufig noch versuchen, sich von Leerzeile zu Leerzeile zu hangeln.


Gut gelöst sind meiner unbedeutenden Meinung nach übrigens die häufig zum Einsatz kommenden, gut strukturierten Listen. Die Listenpunkte in orange machen sich gut und passen gut.


Apropos »passen«. Nicht zu passen scheint mir der Innenabstand zur rechten Sidebar. Teilweise stößt da der Text des Content-Bereichs direkt an den Text der rechten Sidebar. Regelmäßig läuft mein Auge da in eine Sackgasse und wundert sich, warum der Text nahtlos in einen Kommentar eines Lesers übergeht.


Und damit wären wir auch schon beim letzten zu betrachtenden Teil der U9TA-Gestaltung6: der rechten Sidebar. Die tut eigentlich nichts böses - außer dem Unterschlagen von Umlauten und dem Bedrängen von satirischen Texten vielleicht. Und da ich nicht glaube, dass es sich dabei um ein absichtliches und boshaftes Fehlverhalten der Sidebar handelt, reite ich da auch nicht weiter drauf rum.

Hat mal jemand ein Fazit?

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass man schon durch kleinere Änderungen und Verbesserungen im Seitenlayout dem Leser die Aufnahme der Artikel wesentlich erleichtern kann, was durchaus dazu geeignet ist, den Erfolg eines Blogs zu erhöhen. Besucher, die hervorragende Inhalte gut verdaulich präsentiert bekommen, werden mit Sicherheit schneller zu Stammlesern, als Besucher die mit der Form kämpfen müssen, um die Inhalte zu geniessen.


P.S.: Beim Schreiben dieser Zeilen beschlich mich zwischenzeitlich der Verdacht, dass U9TA möglicherweise doch nicht das optimale Beispiel für diesen Artikel ist. Die Form(losigkeit) könnte nämlich gerade hier auch Stilmittel sein. Wirklich gute Satire erzeugt nämlich üblicherweise auch einen gewissen Schmerz beim Leser und vielleicht soll gerade dieser Schmerz durch die äußere Form unterstrichen werden. Möglich wär’s…



  1. Obwohl man das natürlich auch braucht - nur kommt es mir im Moment darauf nicht an… []
  2. Oder etwa doch? Herr Schafredaktor? []
  3. Da ja nicht auszuschliessen ist, dass sich jemand meiner Kritik annimmt und evtl. Änderungen vornimmt. Ja. Manchmal bin ich halt ein unverbesserlicher Träumer ;-) []
  4. Das könnt Ihr später tun. Wenn Ihr mir jetzt verschwindet, kommt Ihr nicht mehr zurück, weil Ihr an den U9TA-Artikeln hängenbleibt wie Fliegen am Stoßfänger eines Porsche… []
  5. Wer nimmt schon seine Mahlzeiten mit nur einem einzigen Bissen zu sich, wenn man nicht gerade Supermodel ist? []
  6. Am Footer habe ich nämlich nichts zu mäkeln… []

3 Kommentare

1. Rick, U9TA Schafredaktor schrieb am 10. August 2007 um 14:55

1) Zuerst einmal ein gaaaanz dickes Dankeschön für diesen Artikel aus Unterneuntupfing. Unterneuntupfinger sind bescheidene Leute die schon alles haben was sie nicht brauchen können und daher beinahe geschüttelt statt gerührt sind wenn jemand der selber ohnehin an einem Mangel an Langeweile leidet soviel Zeit bei U9TA verschwendet.
2) Mit Lob kann man traditionell in Unterneuntupfing nicht umgehen, aber soviel konstruktive sprachlich liebevoll vorgetragene Kritik hilft dem Projekt UNTERNEUNTUPFING Aktuell enorm. Einfach Danke. :)
3) Allerdings die eine oder andere Replik kann nicht erspart bleiben, insbesondere für Leser die UNTERNEUNTUPFING Aktuell bislang zurecht nicht kannten.
4) UNTERNEUNTUPFING Aktuell ist eigentlich nur technisch betrachtet ein Blog, ansonsten mit keinen bekannten oder unbekannten Massstäben zu messen. Das karitative Projekt ist gerade mal 3einhalb Monate alt, steckt immer noch in den jüngsten Flegeljahren und ist juristisch betrachtet daher noch reines Buchstabengeröll (wozu, nebenbei, auch das Spaltendilemma vorzüglich passt)
5) U9TA ist also alles außer vollständig sondern (un)art in progress
6) Designlosigkeit ist tatsächlich ein kleiner Teil des Konzepts. U9TA ist für Leser, nicht für Gucker. Wer bei Essen & Frauen mehr auf Verpackung denn Inhalt schaut gehört eher nicht zur Zielgruppe von U9TA. Und das soll auch so bleiben.
7) Nichtsdestotrotz stimmt natürlich - die Seite hat gravierende formale, grafische und technische Mängel, insb in manchen Bereichen die der gute Z-Blogger gar nicht erwähnt hat. Und sie sind mehr oder minder alle bekannt (das Layout ist somit vorsätzlich minderprofessionell, inklusive der noch mangelhaften Kontrastierung).
8) Das Projekt U9TA leidet (noch) unter chronischer zeitlicher Unterdotierung im technisch-redaktionellen Teil. Unsere Leser wollen lesen statt gucken (oder sowieso möglichst schnell weg von hier). Bei einer zeitlich sehr endlichen Menge von X verfügbaren Stunden wird daher vorerst zuerst am Text gefummelt. Und das Nichts was übrigbleibt wird verwendet um die wirklich große nächste Entwicklungsstufe im Herbst vorzubereiten.
9) Nachdem das aktuelle Layout einmal entgegen heftiger Widerwehr von blogger.com zusammengeschustert ward hat der Schafredaktor damals das Werk betrachtet und befunden: “Herr im Himmel, sieht schei**e aus.”
10) Und gleich darauf das Layout der wichtigsten deutschsprachigen Tageszeitungen online gegenprüft (Zeitung= die optische Vorgabe von U9TA, kein Blog) und danach befunden: “Verglichen mit Seiten die ungefähr dingsbums mehr Grafiker, Redakteur und Kohle haben ist es fürs Erste okay. Darauf einen Schluck GlenDingsbums. Oder besser zwei.”
11) Wie gesagt, im Augenblick ist U9TA noch im Kindergartenalter. Im Herbst wird dann auf einen Schwung eine satte Menge mehr Struktur, Inhalt und Information reinkommen und man wird in der nächsten Entwicklungsstufe endlich sehen wie das karitative Projekt wirklich angelegt ist. Ein schöner Zeitpunkt dann die übelsten Mängel in der Verpackung zu korrigieren.
12) Und jetzt kommts : als “Strafe” für den lieben Z-blogger wird das Projekt U9TA den lieben Z-blogger ganz lieb ersuchen es so hinzumurksen wie er das für professionell hält ;) Wenn er fertig sein wird werde ich zudem Onkel Loco bitten einen lobenden Artikel über den Z-blogger zu schreiben dafür dass er U9TA so toll und professionell hinbekommen hat…

Prostata Scriptum 1:
Kollege Erik wird dank dieses Z-blogger-Artikels vermutlich den halben Tag über ein gestörtes Fussnotofon bei seinen Ausflügen in den Buchwelt geklagt haben…
P.S.2:
Z-blogger ist gerade frisch gestartet, sogar die Farbe ist noch ein wenig feucht, man muss in bestimmten Konfigurationen sogar nach Besuch anschließend ein wenig vom Orange vom Monitor abwischen. Es wäre daher unsportlich sofort sich einen Artikel rauszupicken, allerdings wird sich U9TA sicherlich zum passenden Zeitpunkt mit einem angemessenen Revanchefoul revanchieren ;) Manche Krüge lässt man nämlich ungern an sich vorüberziehen, dann passiert zB sowas
P.S.3:
Der Hinweis Zwischenüberschriften ist ein sehr wertvoller Hinweis für jeden Blogger. Da U9TA ja eigentlich kein Blog sein will werden sie weiterhin nur dort verwendet werden wo - form follows function - sie sinnvoller Teil des Inhalts sind. Und ja, vermutlich öfters als bisher ;)

2. z-blogger schrieb am 10. August 2007 um 15:46

Hier denn mal ein paar gesammelte Antworten in undurchschaubarer Reihenfolge:

1. Findest Du das nicht etwas fies, hier einen Kommentar zu hinterlassen, der in seinem Umfang durchaus dem Umfang des Artikels entspricht? Man könnte meinen, ich hätte mich nicht ausreichend bemüht… ;-)

2. Jaja… Das sieht Euch ähnlich, dem Erik auch noch Salz in die von einem Teebeutel gerissene Wunde zu streuen. Der Mann ist ABHÄNGIG! Da macht man keine Späße mit. Jedenfalls nicht so offensichtlich.

3. Im Sortiment von drekhead.com gibt’s schon mehr Artikel. Die Stelle ich U9TA hiermit zum Zerpflücken zur Verfügung.

4. Punkt 12 ist die Höhe! Da schreibt man einen Artikel, denkt nichts Böses und wird dann aufgefordert an der Behebung der im Artikel bemängelten Schwächen mitzuhelfen… Okay. Ich geb mir Mühe.

3. Rick schrieb am 10. August 2007 um 16:03

Ad 1: Ähm ja, das geziemt sich eigentlich nicht wenn man hier zu Gast ist. Schulligun…*dackelblick*

Ad 2: Hab mir große Mühe gegeben zum Behufe damals fleur du sel zu nehmen und nicht gewöhnlichen Kiesel

Ad 3: Ich hab sicherheitshalber mal beide in mein RSS Pult genommen. Allerdings werde ich wirklich einen sehr guten Moment abwarten (an einem frequenten Tag), schließlich soll sich das zugriffsmäßig kleine U9TA neben dem renommierten drekhead nicht lächerlicher machen als nötig. Wie gesagt, Unterneuntupfinger sind altmodisch und erkennen einen größeren Elefantenbullen wenn er vor ihnen steht… ;)

Ad 4: Berufskrankheit, sorry.
Klient: “Herr Rick, eigentlich sind wir nicht einverstanden wie Sie das machen wollen. (bedeutet zu 80% wir habens nicht begriffen, zu 10% ich konnte es nicht erklären, zu 10% man wollte es bequemerweise nicht verstehen.)
Rick: “Gut, nennen Sie bitte Ihren besseren Vorschlag.”
Klient: “Äh…?!”
Rick: “Gut, dann machen wir meinen Plan.”

Im Ernst, ich weiß noch nicht ob ich Dich im Herbst wirklich bitten werde, Du hast mehr als genug selbst zu tun.
Werde am Wochenende noch einen letzten Versuch machen das Ding mit der Sidebar zu lindern, wenn blogger.com wieder nicht rasch mitspielt muss es noch eine Weile warten.

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